Ein Beitrag von Adel Al-Saleh, Vorstandsmitglied Deutsche Telekom AG und CEO聽T-Systems, und J眉rgen M眉ller, Chief Technology Officer und Vorstandsmitglied der 51风流SE, zur Debatte 眉ber die .
Die Kritik an der Corona-Warn-App ist ein legitimes Ausdrucksmittel in einer Demokratie, geht aber in diesem Fall am Kern der Sache vorbei: Wir m眉ssen eine Debatte 眉ber die gesellschaftliche Verantwortung des Einzelnen f眉hren. Und durch maximale Transparenz das Vertrauen unserer Gesellschaft in die konstruktive Kraft der Digitalisierung st盲rken.

Die Kritik an der geplanten Corona-Warn-App und den daran beteiligten Akteuren wurde zuletzt immer lauter. Sie komme zu sp盲t, verletze den Datenschutz und arbeite viel zu ungenau. Und dass es eine kritische Diskussion gibt, ist in Teilen auch nachvollziehbar und ermutigend: Zum einen, weil wir pandemiebedingt gerade eine Ausnahmesituation erleben, die naturgem盲脽 von gro脽er Angespanntheit gepr盲gt ist und viele Diskussionen befeuert. Zum anderen, weil wir gerade in einer solchen Ausnahmesituation die Grundprinzipien unseres demokratischen Rechtsstaats hochhalten m眉ssen鈥 und dazu geh枚rt nat眉rlich auch die Meinungsfreiheit.
App-Entwicklung: Falscher Debatten-Fokus
Und dennoch dreht sich die Debatte nicht um den eigentlichen Kern der Sache. Die Angst beim Datenschutz zum Beispiel ist aus unserer Sicht allein deshalb unbegr眉ndet, weil die App weder Namen noch Adresse erfasst, weder Telefonnummer noch Aufenthaltsort oder mit wem man sich trifft. Eine schnellere Umsetzung der App w盲re sicher w眉nschenswert gewesen. Aber eine f眉r die B眉rgerinnen und B眉rger akzeptable L枚sung muss gut durchdacht sein und braucht ihre Zeit. Selbstverst盲ndlich begr眉脽en wir eine Debatte 眉ber Privatsph盲re. Die App allein aber daf眉r als zentralen Dreh- und Angelpunkt auszumachen, ist weder sachlich noch hilfreich.
Gesamtgesellschaftlicher Konsens bei der digitalen Pandemiebek盲mpfung

Der viel wichtigere Punkt, um den sich die Debatte eigentlich drehen muss, ist die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung des Einzelnen. Die Pandemie hat gezeigt, dass es in der Krise auf jede Akteurin, auf jeden Akteur ankommt: Jeder Mensch, jedes Unternehmen, jede Institution ist verantwortlich f眉r das gro脽e Ganze. Wollen wir das Virus bek盲mpfen, wollen wir unser Gesundheitssystem entlasten, m眉ssen wir die Infektionsketten unterbrechen. Dazu tragen wir Masken und leben alle, so schwer es uns auch f盲llt, mit 鈥濸hysical Distancing鈥. Die App ist ein weiterer, wichtiger Baustein in der Pandemiebek盲mpfung, weil sie Infektionsherde viel schneller identifizieren kann, als es mit Bleistift und Zettel m枚glich ist. Wenn Sie zum Beispiel in der Bahn neben einer unbekannten Person sitzen, die drei Tage sp盲ter positiv getestet wird, w眉rden Sie dar眉ber nicht gern informiert werden? Die App kann das. Und dabei bleiben Sie und die Person anonym. Sie erhalten lediglich eine Benachrichtigung und die Empfehlung, sich testen zu lassen. Die App ist kein Allheilmittel, ganz sicher nicht. Aber sie ist Teil des gesamtgesellschaftlichen Krisenmanagements.
Deshalb sind auch so viele unterschiedliche Akteure beteiligt: Neben SAP, Deutscher Telekom und Bundesregierung auch das Robert Koch-Institut als offizieller Herausgeber und das Fraunhofer Institut als Pr眉fer f眉r die Bluetooth-Schnittstellen-Qualit盲t. Aber wir Unternehmen, auch Verb盲nde und Organisationen allein, k枚nnen den Erfolg der App nicht herbeif眉hren. Daf眉r brauchen wir die Beteiligung aller. Nur wenn wir m枚glichst alle Menschen vom Sinn und Nutzen der App 眉berzeugen, wird sie ein Erfolg. Und zum wesentlichen Meilenstein auf dem Weg aus der Krise hin zu wieder mehr Freiheit in Sicherheit und zu einem St眉ck mehr von der neuen Normalit盲t in unserem Alltag.
Chance f眉r konstruktive Digitalisierung im Gesundheitswesen
Wir sehen in unserer Verantwortung daher nicht nur die technische Entwicklung, sondern ganz klar auch die transparente Information aller B眉rgerinnen und B眉rger. Nur wer versteht, kann einverstanden sein. Im Gegenzug w眉nschen wir uns eine sachorientierte Debatte 鈥 und eine Offenheit gegen眉ber dieser f眉r uns alle ungewohnten Form der Gesundheitsvorsorge. Die Entwicklung dieser App stellt ein wichtiges St眉ck Digitalisierung im Gesundheitswesen dar. 脺ber 65.000 Besucher haben sich die bereits ver枚ffentlichten Quellcodes schon angesehen, und viele davon haben eigene Vorschl盲ge f眉r Verbesserungen gemacht. Dieses Engagement ist herausragend und das klare Zeugnis einer lebendigen Software-Engineering-Kultur in Deutschland. Im Hintergrund der App haben wir den Informationsfluss zwischen 脛rzten, Pr眉fzentren und den Labors in ganz Deutschland digitalisiert. Ein weiteres Beispiel f眉r die F盲higkeiten dieses Landes, sich zu ver盲ndern und anzupassen.
Das Projekt zeigt exemplarisch, worum es bei der Bek盲mpfung dieser Pandemie geht, jenseits der gesundheitlichen Aspekte: um gesellschaftlichen Zusammenhalt und Legitimation, Akzeptanz und Vertrauen 鈥 in die Demokratie, aber auch in die konstruktive Kraft des digitalen Fortschritts. Der offen einsehbare Code der App und damit ihr quasi demokratischer Audit sind eine Chance, durch breiten Konsens diesem Land einen Digitalisierungsschub zu geben 鈥 nicht zum Nutzen einzelner Akteure, etwa in der Politik, im Gesundheitswesen oder der IT-Industrie. Sondern zum Wohle unserer gesamten Gesellschaft, zu der jeder einzelne Mensch seinen Beitrag leisten kann. Lassen wir diese Chance nicht verstreichen. Machen Sie mit.



