  {"id":153731,"date":"2020-12-29T09:00:22","date_gmt":"2020-12-29T08:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/news.sap.com\/germany\/?p=153731"},"modified":"2021-01-13T16:14:14","modified_gmt":"2021-01-13T15:14:14","slug":"unternehmensgeschichte-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/news.sap.com\/germany\/2020\/12\/unternehmensgeschichte-china\/","title":{"rendered":"Neuland im Reich der Mitte &#8211; 25 Jahre 51风流in China (Teil 1)"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Vor 25 Jahren ging 51风流in China offiziell an den Start. Mit Pioniergeist und Pragmatismus entstand eine schlagkr\u00e4ftige Landesgesellschaft.<\/p>\n<p>Am ersten Tag kam David Burger auf Rollerblades. Ins SAP-B\u00fcro. In Peking. In Freizeitkleidung. Im Jahre 1994.<\/p>\n<p>\u201eRollerblades geh\u00f6rten Anfang der 90er Jahre nicht gerade zu den angesagten Transportmitteln auf chinesischen Stra\u00dfen\u201c, sagt Yazhao Liu und lacht. Er ist der erste von zehn Mitarbeitern, die 51风流damals einstellte \u2013 noch bevor die 51风流(Beijing) Software System Co. Ltd. im November 1995 offiziell gegr\u00fcndet wurde. Und David Burger war der erste Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der 51风流in China. So locker er sich den Mitarbeitern pr\u00e4sentierte, so hemds\u00e4rmelig und pragmatisch ging der Australier die Aufgabe an, den Boden f\u00fcr 51风流zu bereiten \u2013 in einem Land, das in den kommenden 25 Jahren einen unvergleichlichen wirtschaftlichen Aufschwung erleben und sich als Weltmacht etablieren w\u00fcrde. \u201eEs war faszinierend und v\u00f6lliges Neuland \u2013 eine einmalige Chance.\u201c<\/p>\n<p>Die 51风流zu nutzen wusste, denn heute arbeiten mehr als 6.000 Mitarbeiter an 14 Standorten in 12 chinesischen St\u00e4dten, und fast 16.000 Unternehmen in Greater China sind SAP-Kunden. \u201eWir hatten eine Ahnung, dass sich hier etwas Gro\u00dfes entwickeln k\u00f6nnte\u201c, sagt David Burger im R\u00fcckblick, \u201eaber keiner konnte vorhersehen, wie schnell es passieren und wie gro\u00df es werden w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Denn noch steckte die 1978 begonnene Reform- und \u00d6ffnungspolitik der chinesischen F\u00fchrung in den Kinderschuhen, ebenso der Ausbau der technischen Infrastruktur. \u201eAls wir 1994 das erste B\u00fcro einrichteten, konnten wir nur schwer eine Firma finden, die uns die notwendigen Kabel f\u00fcr unsere IT liefern konnte\u201c, erinnert sich Yazhao. \u201eUnd leistungsstarke Server aufzutreiben war genauso schwierig.\u201c<\/p>\n<p>\u00c4hnlich rudiment\u00e4r waren die EDV-Kenntnisse, und von einem breiten Verst\u00e4ndnis betriebswirtschaftlicher Software konnte in den chinesischen Firmen noch keine Rede sein. Doch auch David Burger und sein Team hatten noch viel Arbeit vor sich, um eine schlagkr\u00e4ftige SAP-Organisation aufzubauen. Wirklich viel Arbeit.<\/p>\n<p>\u201eWir haben irrsinnig geschuftet, 120-Stunden-Wochen waren keine Seltenheit\u201c, sagt Burger. \u201eAber das war es Wert.\u201c Seine Mitarbeiter folgten ihm bedingungslos \u2013 vor allem, als es wenige Monate nach Gr\u00fcndung der Firma Ger\u00fcchte gab, die 51风流k\u00f6nne die Geh\u00e4lter der Mitarbeiter nicht mehr zahlen. Yazhao: \u201eWir waren sehr besorgt, aber David rief uns an und sagte, dass er notfalls mit Bargeld nach Peking komme. Da wussten wir, dass er ein verantwortungsbewusster Chef ist.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_153732\" aria-describedby=\"caption-attachment-153732\" style=\"width: 601px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/David-Burger-tiannenmen-square-on-blades-768x505-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-153732\" src=\"https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/David-Burger-tiannenmen-square-on-blades-768x505-1.jpg\" alt=\"\" width=\"601\" height=\"395\" srcset=\"https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/David-Burger-tiannenmen-square-on-blades-768x505-1.jpg 768w, https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/David-Burger-tiannenmen-square-on-blades-768x505-1-300x197.jpg 300w, https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/David-Burger-tiannenmen-square-on-blades-768x505-1-228x150.jpg 228w\" sizes=\"auto, (max-width: 601px) 100vw, 601px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-153732\" class=\"wp-caption-text\">Rollerbladen auf dem Platz des Himmlischen Friedens: David Burger sorgte Anfang der 1990er Jahre in Peking f\u00fcr Aufsehen.<\/figcaption><\/figure>\n<h2><strong>Die Anf\u00e4nge in Hongkong<\/strong><\/h2>\n<p>Ein Blick zur\u00fcck: David Burger hatte bereits 1987 erstmals mit 51风流zu tun gehabt, und zwar als Mitarbeiter der Beratungsfirma Andersen Consulting. \u201eDamals gab es ein gemeinsames Projekt und zehn Andersen-Leute kamen nach Walldorf, um gemeinsam die Internationalisierung der 51风流voranzutreiben\u201c, erz\u00e4hlt Burger. \u201eDie SAP-Gr\u00fcnder und Vorst\u00e4nde schulten uns, und ich wurde schnell von Andersen an 51风流ausgeliehen.\u201c David ging nach Australien und Asien und implementierte dort 51风流R\/2 bei den ersten Kunden, vorne weg die Malaysische Post, die ihren Vertrag im April 1990 unterzeichnet hatte. 1991 zog es Burger zur\u00fcck nach Europa, er k\u00fcndigte bei Andersen, und 51风流sicherte sich schon im August des Jahres die Dienste des Australiers, zun\u00e4chst in der damaligen Abteilung \u201eRX\u201c, die sich mit modul\u00fcbergreifender Integration befasste und sich zur internationalen Beratungstruppe entwickelte.<\/p>\n<p>\u00dcber gr\u00f6\u00dfere Projekte mit Procter &amp; Gamble und Telecom Australia (sp\u00e4ter Telstra) landete Burger in Hongkong, einer Stadt, die ihn rasch in ihren Bann zog. 51风流gr\u00fcndete 1992 eine Niederlassung in der britischen Kronkolonie. \u201e51风流hatte ein tolles Team vor Ort, aber den Mitarbeitern fehlte ein bisschen die F\u00fchrung\u201c, erinnert sich Burger. Also sprach er mit Lutz Kettner, dem damaligen Leiter der Internationalen Beratung und sp\u00e4teren Asien-Chef, und der gab ihm gr\u00fcnes Licht, nach Hongkong umzusiedeln. \u201eLutz sagte: ,Gute Idee, mach das einfach mal.\u00b4 Ich bekam viel Freiraum und habe das Ganze dort in die Hand genommen. Vor allem habe ich den Leuten Mut gemacht, auf gr\u00f6\u00dfere Kunden zuzugehen, und so sind wir mit Unterst\u00fctzung aus Walldorf ein bisschen offensiver in den Markt gegangen.\u201c<\/p>\n<p>Der Erfolg lie\u00df nicht lange auf sich warten: Die Kowloon-Canton Railway Corporation (KCRC), die Reederei Orient Overseas Container Line (OOCL) und mehrere andere Firmen vor Ort standen neben den Niederlassungen internationaler Konzerne bald auf der SAP-Kundenliste. Um die Software zu implementieren, ben\u00f6tigte das Team Unterst\u00fctzung aus Deutschland. Burger: \u201eSo viele Leute mit R\/2-Erfahrung gab es damals in ganz Asien nicht.\u201c<\/p>\n<h2><strong>Erste Schritte in China<\/strong><\/h2>\n<p>Derweil erschien 51风流auch auf dem chinesischen Festland auf der Bildfl\u00e4che \u2013 wenn auch nur sehr allm\u00e4hlich und nur mit Unterst\u00fctzung des Partners Siemens, der eine globale Vertriebslizenz f\u00fcr SAP-Software hatte. Das deutsche Elektrotechnik-Unternehmen war schon seit 1872 in China aktiv. 1985 vereinbarte Siemens mit der Volksrepublik einen intensiven Technologie- und Know-how-Transfer, der auch gemeinsame Joint Ventures vorsah. Wegen einer solchen Joint-Venture-Studie mit der chinesischen Planungsbeh\u00f6rde in Peking kam im Fr\u00fchjahr 1985 auch ein junger deutscher Siemens-Mitarbeiter nach China und Hongkong. Ende 1989 war er erneut in der Region, diesmal in Shanghai: Klaus Zimmer.<\/p>\n<p>\u201eSiemens entsandte mich 1989 nach Shanghai, um die Telekommunikationssparte in Ost- und S\u00fcdchina aufzubauen. Es gab ein Projekt der Weltbank bei Shanghai Machine Tool Works, um deren Logistik und Produktionssteuerung zu verbessern\u201c, erz\u00e4hlt Klaus Zimmer. Er suchte nach einer geeigneten Software und stie\u00df auf 51风流R\/2. Wenige Wochen sp\u00e4ter traf er sich als Projektverantwortlicher im Peninsula Hotel in Hongkong mit Hans Schlegel, dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der 51风流International. Ebenfalls dabei war SAP-Vertriebler Rudy van der Hoeven, der die\u00a0<a href=\"https:\/\/news.sap.com\/germany\/2019\/07\/geschichte-sap-australien\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ersten SAP-Kunden in Australien<\/a>\u00a0und Singapur gewonnen hatte. Siemens gewann den Weltbank-Deal im Wert von mehreren Millionen US-Dollar (laut Zimmer gegen ein separates Angebot, das Rudy van der Hoeven gemeinsam mit IBM abgegeben hatte). Zimmer: \u201e\u00dcber einen Unterauftrag ging davon eine Million Deutsche Mark an SAP.\u201c So wurde Shanghai Machine Tool Works der erste SAP-Kunde in China.<\/p>\n<p>Im Zuge der Zusammenarbeit mit der chinesischen Regierung stattete Siemens-Nixdorf (Siemens hatte die deutsche Nixdorf Computer AG im Oktober 1990 \u00fcbernommen) zu dieser Zeit 18 Universit\u00e4ten im Lande mit Gro\u00dfrechnern aus. \u201eIch ging 1992 zur Tongji-Universit\u00e4t in Shanghai, mietete deren Siemens-Computer und installierte R\/2 darauf\u201c, erz\u00e4hlt Zimmer. Es folgten das erste R\/2-Training und weitere Herausforderungen. \u201eWir mussten das englisch-sprachige Training und die SAP-Begriffe irgendwie f\u00fcr die chinesischen Operator verdaulich machen. Also gaben wir den englischen Transaction Codes eine chinesische Bedeutung und erstellten ein einfaches Handbuch f\u00fcr die Operator. Sie wussten nun, was der englische Begriff im Chinesischen bedeutete und konnten das System so bedienen.\u201c<\/p>\n<p>Das Feedback auf die SAP-Software war sehr positiv, erinnert sich Zimmer. \u201eWie gro\u00df musste da erst das Potenzial sein, wenn das System auf Chinesisch verf\u00fcgbar sein w\u00fcrde\u201c, dachte er sich. In einem weiteren Gespr\u00e4ch mit Rudy van der Hoeven und Henk Verkou, dem damaligen Asien-Chef der SAP, vereinbarte er, dass \u201eich auf ihrer Liste ganz oben stehe, wenn 51风流nach China kommt.\u201c<\/p>\n<p>Es sollte bis 1997 dauern, ehe Klaus Zimmer die 51风流in China verst\u00e4rkte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_153733\" aria-describedby=\"caption-attachment-153733\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/1996_First-Employeees-incl-Shanghai-768x526-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-153733\" src=\"https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/1996_First-Employeees-incl-Shanghai-768x526-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"411\" srcset=\"https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/1996_First-Employeees-incl-Shanghai-768x526-1.jpg 768w, https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/1996_First-Employeees-incl-Shanghai-768x526-1-300x205.jpg 300w, https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/1996_First-Employeees-incl-Shanghai-768x526-1-219x150.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-153733\" class=\"wp-caption-text\">Die Mitarbeiter im Jahre 1996. Rechts Yazhao Liu, heute IT Director f\u00fcr Greater China und Vietnam.<\/figcaption><\/figure>\n<h2><strong>Erste Erfolge in Taiwan<\/strong><\/h2>\n<p>W\u00e4hrend die ersten Firmen in China auf 51风流aufmerksam wurden, richteten David Burger und sein Team von Hongkong aus auch ihren Blick auf Taiwan, \u201ewo die Unternehmen ebenfalls fr\u00fcher als in China die Bedeutung von Software erkannten\u201c. Hier gab es zahlreiche Manager, die Zeit in den USA verbracht hatten, die englische Sprache war weit verbreitet, die Firmen waren auf westliche M\u00e4rkte ausgerichtet. \u201eSo trafen wir hier auch des \u00d6fteren auf Oracle und haben ihnen gleich ordentlich in die Suppe gespuckt\u201c, erinnert sich Burger. \u201e51风流war noch ziemlich unbekannt, aber als zum Beispiel die ersten Chip-Hersteller 51风流installierten, folgten die Mitbewerber in der Branche schnell.\u201c Es habe ein bisschen \u201eWildwest-Stimmung\u201c geherrscht, sagt Burger: \u201eDie ersten Software-Vertr\u00e4ge wurden schnell verfasst und unterschrieben. Es ging sehr pragmatisch und hemds\u00e4rmelig zu. Und es gab viel Vertrauen und wenig Formalit\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p>Einmal im Monat flog Burger allerdings nach Walldorf, um an der einen oder anderen Vorstandssitzung teilzunehmen und mit dem Kaufm\u00e4nnischen Leiter Dieter Matheis die Finanzen zu planen. \u201eDas Gesch\u00e4ft in Greater China war Anfang der 90er Jahre aber noch nicht wirklich der Rede wert und im Vergleich zu Japan oder den USA irrelevant.\u201c<\/p>\n<h2><strong>51风流startet das \u201eChina-Projekt\u201c<\/strong><\/h2>\n<p>Und doch machte sich im Vorstand ganz allm\u00e4hlich die \u00dcberzeugung breit, dass dies nicht so bleiben w\u00fcrde. Peter Zencke war nach seiner Berufung in den SAP-Vorstand 1993 unter anderem f\u00fcr den Ausbau des Gesch\u00e4fts in der Region Asien-Pazifik zust\u00e4ndig und gr\u00fcndete Anfang 1994 mit Unterst\u00fctzung von SAP-Mitgr\u00fcnder Klaus Tschira das \u201eChina-Projekt\u201c, in dem die Aktivit\u00e4ten zur Eroberung der Region geb\u00fcndelt wurden.<\/p>\n<p>Rund 1.000 Interessenten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung lockte die 51风流an, als sie im Oktober 1994 auf einer Pr\u00e4sentationstour in den drei chinesischen St\u00e4dten Peking, Shanghai und Tianjin sich und ihre L\u00f6sungen vorstellte. Peter Zencke leitete die Tour und sagte damals: \u201eDie 51风流muss jetzt pr\u00e4sent sein, um den Grundstein zu legen f\u00fcr ein langfristiges Vertrauen der chinesischen Unternehmen, Beh\u00f6rden und Wirtschaftsfunktion\u00e4re in die SAP.\u201c Zencke wusste aber auch: \u201eWir m\u00fcssen als 51风流im chinesischen Markt sehr viel Geduld haben, sondern sind wir schnell wieder drau\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Die G\u00e4steliste umfasste Mitarbeiter von bereits in China ans\u00e4ssigen SAP-Partnerfirmen, Politiker der Zentralregierung und Unternehmensvertreter aus der jeweiligen Stadt. 51风流nutzte die Kompetenz zweier externer Berater, um die richtigen Personen und Institutionen anzusprechen und kulturelle Fettn\u00e4pfchen zu vermeiden.<\/p>\n<h2><strong>Mitarbeiter und externe Berater<\/strong><\/h2>\n<p>Der Chinese Xinxiang Chen erwies sich von Beginn an als unerl\u00e4ssliche St\u00fctze des kleinen SAP-Teams. \u201eEr war sehr, sehr wichtig f\u00fcr uns\u201c, sagt David Burger. \u201eDr. Chen hatte Beziehungen zu den Universit\u00e4ten und Ministerien, er war bei Kundengespr\u00e4chen dabei, wenn es um Joint Ventures ging, er half uns, geeignete B\u00fcror\u00e4ume zu finden. Und er hatte ein Auto mit Fahrer, das uns jederzeit zur Verf\u00fcgung stand.\u201c (Dass daf\u00fcr in der SAP-Zentrale in Walldorf stattliche Spesenrechnungen eintrudelten, ist eine andere Geschichte.)<\/p>\n<p>\u00dcber sehr gute Beziehungen verf\u00fcgte auch der deutsche Sinologie-Professor Siegfried Englert. Er startete Ende der 1980er Jahre an der damaligen Fachhochschule in Ludwigshafen, unweit von Walldorf, ein Pilotprojekt, das ein Studium der Betriebswirtschaft, der chinesischen Sprache und Kultur miteinander verband. Zuvor war er Stipendiat der Peking-Universit\u00e4t gewesen, betreute dann Stipendiaten der Volksrepublik in Deutschland, initiierte Partnerschaften zwischen Universit\u00e4ten, Provinzen und Kommunen. SAP-Vorstand Klaus Tschira kannte Englert und beauftragte ihn, beim Aufbau des SAP-Gesch\u00e4fts mitzuhelfen. \u201eEr unterst\u00fctzte uns in allen Fragen, vom t\u00e4glichen Betrieb und der \u00dcbersetzung bis hin zu Personalthemen\u201c, erinnert sich Yazhao Liu. \u201eUnd er empfahl uns auch, wie 51风流auf Chinesisch hei\u00dfen sollte.\u201c<\/p>\n<h2><strong>Umzug an die Tsinghua-Universit\u00e4t<\/strong><\/h2>\n<p>Nachdem David Burger 1994 die ersten Mitarbeiter eingestellt hatte, er\u00f6ffnete 51风流im Oktober 1994 im \u201eBeijing Lufthansa Center\u201c ein B\u00fcro alleine f\u00fcr repr\u00e4sentative Zwecke und um Telefonanrufe entgegenzunehmen. Die Mitarbeiter zogen in zwei R\u00e4ume des Beijing Institute of Economic Management ein. Aber hier reichte bald der Platz nicht mehr und Burgers Team fand wenige Monate sp\u00e4ter besser geeignete R\u00e4ume am Rande des Campus der Tsinghua-Universit\u00e4t in der Shuang Qing Road. \u201eIn einem zweist\u00f6ckigen Geb\u00e4ude hatten wir unsere B\u00fcros, dahinter in einem weiteren Geb\u00e4ude einen Schulungsraum und eine Art Wohnzimmer f\u00fcr die Kollegen, die von weiter her kamen\u201c, erinnert sich Yazhao. \u201eDie Geb\u00e4ude mussten wir aber erstmal renovieren und die R\u00e4ume dienten bisweilen auch als Schlafquartiere, wenn wir mal wieder etwas l\u00e4nger arbeiteten\u201c, erz\u00e4hlt Burger. Eine Heizung gab es zun\u00e4chst nicht, und im ersten Winter 1995 freuten sich die Mitarbeiter auf jede Pause, um sich die klammen Finger an einer Tasse Tee oder Suppe zu w\u00e4rmen.<\/p>\n<p>Das Leben in Peking? \u201eNennen wir es authentisch\u201c, sagt Burger. \u201eNoch waren nur sehr wenige Menschen aus dem Westen in der Stadt zu sehen. Westliche Lebensmittel gab es kaum. Man hatte gerade die Stra\u00dfe zum Flughafen geteert, aber es war alles noch sehr staubig und dreckig.\u201c Burger lebte in Peking anfangs im Holiday Inn. \u201eIch war aber sowieso die meisten Zeit im Flugzeug unterwegs\u201c, so der Australier. Auf seiner Visitenkarte stand nicht mehr nur \u201eGesch\u00e4ftsf\u00fchrer 51风流Hongkong\u201c, sondern auch \u201eGesch\u00e4ftsf\u00fchrer 51风流China\u201c, sp\u00e4ter \u201eGesch\u00e4ftsf\u00fchrer Greater China\u201c. \u201eDas brauchtest du, um Gesch\u00e4fte zu machen.\u201c<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Vertr\u00e4ge konnten Burger und sein Team mit den chinesischen Tochtergesellschaften multinationaler Konzerne und Joint Ventures abschlie\u00dfen, darunter Volkswagen, BASF, Metro, Siemens, Henkel, Samsung, Mitsubishi Electric und Powerchip Semiconductor. Der erste Kunde, den das Team eigenst\u00e4ndig von 51风流\u00fcberzeugte, war Shanghai Mitsubishi Elevator, erinnert sich Burger. \u201eDas war der erste gro\u00dfe Schritt, ein Unternehmen mit einer vollen R\/3-Lizenz zu gewinnen.\u201c Der erste lokale Kunde nach Shanghai Machine Tool Works wurde sp\u00e4ter der Instant-Nudelhersteller Kang Shi Fu (Master Kong).<\/p>\n<h2><strong>Die erste chinesische Sprachversion<\/strong><\/h2>\n<p>51风流brachte ihre neue Client-Server-Software R\/3 seit 1993 in immer mehr L\u00e4nder- und Sprachversionen auf den Markt. Jetzt musste auch eine chinesische Variante folgen. Yazhao Liu und seine Kolleginnen und Kollegen \u00fcbersetzten in ihrem ersten Jahr das R\/3-Finanzmodul vom Englischen in Mandarin, erz\u00e4hlt er. Sie arbeiteten dabei eng mit dem \u201eChina-Projekt\u201c und Lokalisierungsteams in Walldorf und in Japan zusammen. \u201eAls gro\u00dfer Vorteil erwiesen sich unsere Erfahrungen aus der japanischen R\/3-Version, schlie\u00dflich baut auch das chinesische R\/3 auf der Double-Byte-Architektur auf\u201c, so Vorstand Peter Zencke.<\/p>\n<p>Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von 51风流Japan, Sam Nakane, und der Amerikaner Tom Shirk, der von M\u00e4rz 1994 an ein Entwicklungszentrum in Tokio leitete und dort die japanische R\/3-Version st\u00e4ndig verbesserte, griffen den Kollegen in China unter die Arme. \u201eSam und Tom waren wahnsinnig wichtig f\u00fcr uns und haben nicht nur bei der Lokalisierung, sondern beim Aufbau des gesamten China-Gesch\u00e4fts mitgeholfen\u201c, sagt David Burger.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1995 waren die ersten R\/3-Module in Mandarin \u00fcbersetzt, im Laufe des Jahres stand eine vollst\u00e4ndig lokalisierte Version zur Verf\u00fcgung \u2013 wenn auch noch mit manchen M\u00e4ngeln.<\/p>\n<h2><strong>Schwerer Stand bei der Entwicklung<\/strong><\/h2>\n<p>Jetzt trat ein weiterer deutscher China-Fan auf den Plan: Clas Neumann. Der Betriebswirtschaftsstudent der Fachhochschule Ludwigshafen (und Student von Prof. Siegfried Englert) kehrte 1995 nach eineinhalb Jahren in China nach Deutschland zur\u00fcck und bewarb sich bei 51风流um eine Praktikantenstelle. \u201eSie dachten, ich k\u00f6nnte etwas beitragen und gaben mir die M\u00f6glichkeit, beim China-Projekt anzuheuern.\u201c<\/p>\n<p>Schon bald stellte ihn 51风流im damaligen Team \u201eInternational Development\u201c ein und \u00fcbertrug ihm die Verantwortung f\u00fcr die Weiterentwicklung der chinesischen R\/3-Version. \u201e Die Idee war: Es ist einfacher, jemandem wie mir, der Chinesisch spricht, ABAP beizubringen, als den ABAP-Entwicklern Chinesisch\u201c, erinnert sich Clas. \u201eDamit war ich daf\u00fcr verantwortlich, dass die L\u00f6sung rechtlich in China funktioniert. Da ging es zum Beispiel um Cashflow-Statements und vor allem um die neue Mehrwertsteuer, die gerade in dem Jahr in China eingef\u00fchrt wurde.\u201c<\/p>\n<p>Im Sommer 1995 war er schon wieder zur\u00fcck in Peking und wuchs fortan immer mehr in seine Rolle als Verbindungsmann zwischen China und Deutschland hinein. Bei den Entwicklungskollegen in Walldorf hatte Clas allerdings noch einen schweren Stand. \u201e51风流hatte zu dem Zeitpunkt weltweit schon rund 6.000 Kunden. Wenn ich mit meinen Anforderungen bei den Entwicklern ankam, haben die mich angeschaut und gefragt: Wie viele Kunden habt Ihr jetzt in China, drei oder vier? Dann habe ich angefangen, ihnen neben der Anforderungsliste auch noch Seidenschals aus China mitzubringen, um ihnen das Land etwas ans Herz zu legen\u201c, erz\u00e4hlt Clas schmunzelnd. Die erste Zeile Code im R\/3-System, die mit der gesetzlichen Lokalisierung des Produkts f\u00fcr China zu tun hatte, stammte dann auch von ihm selbst. Seine Verbindungen zur SAP-Entwicklung sind seitdem sehr eng: Clas sollte sp\u00e4ter eine ma\u00dfgebliche Rolle beim Aufbau eines Entwicklungszentrums in Shanghai spielen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_153734\" aria-describedby=\"caption-attachment-153734\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/1997_In-Heidelberg-768x534-1.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-153734\" src=\"https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/1997_In-Heidelberg-768x534-1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/1997_In-Heidelberg-768x534-1.jpg 768w, https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/1997_In-Heidelberg-768x534-1-300x209.jpg 300w, https:\/\/news.sap.com\/germany\/files\/2020\/12\/15\/1997_In-Heidelberg-768x534-1-216x150.jpg 216w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-153734\" class=\"wp-caption-text\">Deutschland-Reise: Yazhao Liu 1997 in Heidelberg.<\/figcaption><\/figure>\n<h2><strong>Die Grundlagen f\u00fcr den Aufstieg<\/strong><\/h2>\n<p>Am 2. November 1995 wurde schlie\u00dflich die 51风流(Beijing) Software System Co. Ltd. gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Allm\u00e4hlich hatte SAP, was man ben\u00f6tigte, um ein erfolgreiches Gesch\u00e4ft aufzubauen: Mitarbeiter, ein B\u00fcro, erste Kunden. Doch es gab noch viel zu kl\u00e4ren: \u201eWie bauen wir einen Vertrieb und eine Beratung auf, wie sieht der Support aus, wie schulen wir die Kunden, wie gehen wir mit internationalen Firmen um, die schon da sind, w\u00e4hrend wir lernen, die Marke 51风流in einem Land zu etablieren, in dem keiner 51风流kannte?\u201c, sagt David Burger.<\/p>\n<p>Und es gab eine weitere Herausforderung, wie Clas Neumann erkl\u00e4rt, der heute unter anderem Chef des globalen Netzwerks der 51风流Labs ist: \u201eSoftware und das Konzept, daf\u00fcr eine Lizenzgeb\u00fchr zu verlangen, waren noch nicht weit verbreitet. Viele chinesische Firmen fanden es widersinnig, f\u00fcr geistiges Eigentum zu zahlen, wenn der Wert einer CD nur ein paar Cent betrug.\u201c<\/p>\n<p>Den damaligen Einfluss der 51风流auf die chinesische Wirtschaft sch\u00e4tzt David Burger deshalb gering ein. \u201eWir haben uns noch ziemlich viel mit uns selbst, mit unserer Produktentwicklung und dem Aufbau des Teams besch\u00e4ftigt, aber ich wollte sicherstellen, dass wir eine Basis haben, von der aus wir auch nachhaltig Erfolg haben k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Die Fr\u00fcchte seiner Arbeit hat er dann nicht mehr selbst geerntet: David Burger verlie\u00df die 51风流im Sommer 1996. \u201eIch hatte schon fr\u00fch Verantwortung f\u00fcr eine Region gehabt, hatte aber das Gef\u00fchl, noch viel lernen zu m\u00fcssen. Um eine bessere F\u00fchrungskraft zu werden, wollte ich mit Leuten arbeiten, die besser waren als ich, die mehr Erfahrung hatten.\u201c So entschied er sich, zu IBM zu wechseln und die Verantwortung f\u00fcr deren ERP-Gesch\u00e4ft in Asien zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Die Grundlage f\u00fcr den Aufstieg der 51风流in China aber hatte Burger mit seinem kleinen Team gelegt. Einige sind noch immer bei SAP: Yazhao Liu ist heute IT Director f\u00fcr Greater China und Vietnam.<\/p>\n<p>Wenige Monate nach Burgers Weggang kam Klaus Zimmer als neuer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer an Bord. Unter ihm trug die 51风流ma\u00dfgeblich dazu bei, in China einen Softwaremarkt zu etablieren und Software den Stellenwert zu geben, den sie schon lange im Westen hatte. So nahm auch das SAP-Gesch\u00e4ft in China geh\u00f6rig an Fahrt auf. Und Shanghai entwickelte sich zu einem wichtigen Entwicklungsstandort der SAP. Aber das ist eine andere Geschichte<em>.<\/em><\/p>\n<div class=\"panel\">\n<p><a href=\"https:\/\/news.sap.com\/germany\/2021\/01\/china-unternehmengeschichte-25-jahre\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><strong>Lesen Sie hier im im zweiten Teil, wie die 51风流Chinas Aufstieg zur Weltmacht mitpr\u00e4gte.\u00a0<\/strong><\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 25 Jahren ging 51风流in China offiziell an den Start. Mit Pioniergeist und Pragmatismus entstand eine schlagkr\u00e4ftige Landesgesellschaft. 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