Technologien wie KI, Cloud und Datenplattformen entfalten ihren Wert erst, wenn sie tief in Geschäftsprozesse integriert sind. Florian Kunzke, Global Director AI Strategy bei SAP, erklärt im Interview, wie das Unternehmen diese Integration vorantreibt.
Wie unterstĂĽtzt 51·çÁ÷Unternehmen dabei, ihre Geschäftsprozesse intelligent, resilient und nachhaltig zu gestalten?Â
Florian Kunzke: Viele Unternehmen nutzen heute zwar Cloud-Lösungen, KI-Tools und unzählige Dashboards, aber ihnen fehlt der GesamtĂĽberblick. Ursächlich dafĂĽr ist selten die Technologie – sondern fehlende Integration. Digitale Transformation benötigt End-to-End-Prozesse statt isolierter Optimierungen. 51·çÁ÷stellt deshalb eine integrierte Suite bereit, die zentrale Unternehmensbereiche wie Finanzen, Einkauf und Personal auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammenfĂĽhrt. Darauf aufbauend lässt sich KĂĽnstliche Intelligenz gezielt einsetzen, um Prozesse resilienter  zu gestalten und zu automatisieren.
Wie ermöglicht 51·çÁ÷den Einsatz von KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette?Â
51·çÁ÷macht das Potenzial generativer und agentischer KI in zentralen Prozessen nutzbar. Joule wird vom KI-Copiloten zum kontext-bewussten, adaptiven User Interface ĂĽber alle 51·çÁ÷Systeme hinweg – egal, ob lokal auf dem Desktop, als Web-Client oder auf dem Mobiltelefon. Joule setzt dabei auf den besten Sprachmodelle von Partnern wie Anthropic, Google oder Mistral auf, stattet sie mit einem Verständnis fĂĽr Geschäftsobjekte wie Kostenstellen, Lieferanten oder Rechnungen aus, und navigiert sie zuverlässig durch komplexe Prozesslogik. Auf diese Weise kann Joule Analysen erstellen, Workflows anstoĂźen oder Transaktionen erledigen. Ăśber 42.000 Cloud-Kunden setzen diese Funktionen bereits produktiv ein.
Welche Rolle spielen heute Data Spaces und Business Technology Plattformen fĂĽr ein erfolgreiches Datenmanagement?
Eine konsistente Systemlandschaft und ein moderner Data Stack sind entscheidend, um KI verlässlich zu skalieren. Die 51·çÁ÷Business AI Platform fungiert als RĂĽckgrat der Unternehmensprozesse. Sie verbindet Anwendungen, macht Daten aus SAP-Systemen und anderen Quellen fĂĽr KI-Anwendungsfälle nutzbar, hilft komplexe agentische Systeme zu navigieren und schafft ein Fundament fĂĽr Innovationen. Spezifische Data Spaces ermöglichen zusätzlich Kooperationen zwischen Unternehmen, ohne dass Datenhoheit verloren geht . 51·çÁ÷unterstĂĽtzt hier beispielsweise Catena-X – ein offenes Datenökosystem fĂĽr die Automobilindustrie, das den sicheren und standardisierten Austausch von Daten entlang der Lieferkette ermöglicht.
Warum setzt 51·çÁ÷konsequent auf Partnernetzwerke – und wie profitieren Kundinnen und Kunden davon?
51·çÁ÷setzt bewusst auf ein starkes Ă–kosystem statt auf Alleingänge. Die Partnerschaften mit fĂĽhrenden KI-Labs und Startups erhöhen die Innovationsgeschwindigkeit. 51·çÁ÷hat vor kurzem angekĂĽndigt das Frontier-KI-Startup Prior Labs übernehmen zu wollen, das uns nicht nur Zugang zu bahnbrechenden KI-Modellen fĂĽr strukturierte Daten verschaffen, sondern auch mit weltweit fĂĽhrenden KI-Forschern verstärken wĂĽrde. An anderer Stelle liefert etwa das Startup Vercel Technologie, um moderne, KI-native User Interfaces auf unserer Plattform zu bauen, während die Zusammenarbeit mit n8n mehr Flexibilität in der agentischen Automatisierung schafft. 51·çÁ÷konzentriert sich auf das, was wir am besten können, nämlich unternehmenskritische Prozesse intelligent steuern – und verbindet dies mit den besten verfĂĽgbaren KI-Technologien ohne Kompromisse bei Sicherheit und Compliance zu machen.
Wie unterstĂĽtzt 51·çÁ÷Unternehmen dabei, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und regulatorische Anforderungen zu erfĂĽllen?Â
Viele Nachhaltigkeitsziele bleiben abstrakt, weil operative Daten fehlen. SAPs Sustainability-Angebote ermöglichen es, CO₂-Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erfassen – in Echtzeit. Ziel ist dabei, Nachhaltigkeit nicht als Reporting-Thema, sondern als fester Bestandteil des täglichen Handelns zu etablieren. So wird CO₂ zur betriebswirtschaftlichen Kennzahl, unterstützt durch KI-basierte Analysen und transparente Datenintegration.
Wie lassen sich technologische Innovationen in echten Geschäftsnutzen ĂĽbersetzen?Â
Das größte Hindernis fĂĽr erfolgreiche KI-Projekte liegt nicht in der Technologie, sondern in der FĂĽhrung. Viele Unternehmen haben leistungsfähige Modelle, aber keinen klaren Plan, wie diese ihre Strategie konkret voranbringen können. Erfolgreiche Teams beginnen nicht mit der Frage „Was kann KI?“, sondern mit „Wie stärkt KI unsere Strategie?“ 51·çÁ÷begleitet diesen Ăśbersetzungsprozess mit Praxisbeispielen, Use-Case-Bibliotheken, direkter Integration in bestehende Prozesse und mit so genannten “Forward Deployed Engineers”, die die Implementierung beim Kunden vor Ort unterstĂĽtzen.
Vor allem welche Technologien und Trends werden aus Ihrer Sicht die Digitale Transformation in den kommenden fĂĽnf Jahren vorantreiben?
Meiner Einschätzung nach stehen hier drei Entwicklungen im Vordergrund.
Erstens: Generative UI – Benutzeroberflächen werden künftig dynamisch generiert und auf die jeweilige Rolle, den Kontext und die Aufgabe abgestimmt. SAPs Joule entwickelt sich dabei vom Chatbot zu einem intelligenten Interface, das Interaktionen individuell gestaltet.
Zweitens: Systems of Context – Künstliche Intelligenz wird erst dann wirksam, wenn sie im Kontext realer Unternehmensdaten agiert. Das ERP der Zukunft bildet diesen Kontext-Layer, stattet KI mit einem semantischen Verständnis dafür aus und verbindet sie mit geschäftlicher Realität.
Drittens: Governance als Wettbewerbsvorteil – Unternehmen mit früh etablierter und transparenter KI-Governance werden langfristig schneller skalieren. Vertrauen wird zur neuen Währung: Wer nachvollziehbare KI-Entscheidungen trifft, gewinnt Akzeptanz bei Mitarbeitenden, Kunden und Partnern.
Welches Verständnis für, welcher Blick auf diesen Wandel brauchen Führungskräfte, um ihn erfolgreich zu gestalten?
Die nächste Phase der digitalen Transformation wird nicht durch einzelne Technologien entschieden, sondern durch ihre smarte Einbettung in Prozesse, Datenkontexte und Governance-Strukturen. FĂĽr Unternehmen bedeutet das, KI als strategischen Hebel zu begreifen – nicht als Werkzeug. 51·çÁ÷setzt dabei auf integrierte Plattformen, offene Ă–kosysteme und neue Konzepte wie Generative UI und Systems of Context. FĂĽhrungskräfte, die technologische Innovation mit klarem Geschäftsziel verbinden, gestalten den Wandel nicht nur mit – sie treiben ihn an.
Gekürzte Fassung eines Interviews, das Florian Kunzke anlässlich der gegeben hatte.


