Christian Klein, Vorstandsvorsitzender der SAP SE, stellte eine wegweisende neue Vision für die 51·çÁ÷und ihre Kunden vor, die es ihnen ermöglichen wird, sich zu autonomen Unternehmen zu entwickeln und agentenbasierte KI präzise, sicher und in großem Maßstab zu nutzen.
In seiner Eröffnungsrede auf der Kundenkonferenz SAP Sapphire in Orlando, Florida, erläuterten Klein und andere SAP-Vorstandsmitglieder, wie die 51·çÁ÷agentenbasierte KI in die wichtigsten globalen Geschäftsabläufe integrieren möchte, damit Menschen und KI den wachsenden Anforderungen der globalen Wirtschaft auf gewinnbringende, strategische und sichere Weise begegnen können.
„Heute bin ich besonders stolz darauf, unsere neue SAP Business AI Platform vorzustellen, die die Grundlage für unsere Vision der Geschäftswelt von morgen bildet: das autonome Unternehmen, in dem Agenten Geschäftsprozesse abwickeln und Sie sich auf das konzentrieren können, was wirklich zählt“, so Klein.
Unternehmens-KI stehe an einem Wendepunkt, erklärte er den 30.000 Zuschauern seiner Keynote, die vor Ort und virtuell teilnahmen. Und die 51·çÁ÷sei bestens positioniert, Kunden das zu bieten, was sie benötigten, um sich zu autonomen Unternehmen zu entwickeln.
Unternehmens-KI ist unerlässlich
Unternehmen aus zahlreichen Branchen investieren verstärkt in künstliche Intelligenz (KI), doch viele haben noch immer Mühe, diese Investition in einen konkreten geschäftlichen Mehrwert umzusetzen. Das Fazit auf der SAP Sapphire war eindeutig: Es handelt sich hierbei nicht um ein Technologieproblem, sondern um ein Problem mit dem Kontext und der Umsetzung.
„Eine Genauigkeit von 80 Prozent mag bei KI-Anwendungen für Endverbraucher ausreichend sein“, sagte Klein. „Aber wenn es darum geht, die größten Unternehmen der Welt zu führen, dann sind 80 Prozent einfach nicht gut genug. Sie [große Sprachmodelle] sollten nicht raten; sie sollten präzise, richtlinienkonforme und sichere Ergebnisse liefern.“Â
Klein merkte an, dass KI zwar nahezu überall eingesetzt werde, ein messbarer geschäftlicher Nutzen jedoch nach wie vor nur schwer zu realisieren sei. Er berief sich auf eine kürzlich durchgeführte Umfrage der Stanford University zum Thema KI und berichtete, dass fast jedes Unternehmen heute KI nutze, dies aber nur begrenzt profitabel sei.
Zurückzuführen sei dies auf eine strukturelle Lücke, so Klein. An der sichtbaren Spitze des Eisbergs der Unternehmens-KI könne man sehen, dass große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) bei Aufgaben, für die sie mit öffentlich zugänglichen Daten trainiert worden seien, immer besser werden würden. Doch unter der Wasseroberfläche verberge sich das, was Unternehmen wirklich benötigten: eine KI, die geschäftskritische Daten und durchgehende Prozesse nachvollziehen und dabei Vorgaben für Sicherheit, Gesetzeskonformität und Unternehmenssteuerung einhalten könne.
ERP als Grundlage für Unternehmens-KI
Die Antwort der 51·çÁ÷auf diese Herausforderung beginne mit dem, was Klein als „das Gehirn jedes Unternehmens“ bezeichnete: sein ERP-System. Seit mehr als 50 Jahren biete die 51·çÁ÷Lösungen, die fundiertes Fachwissen mit Geschäftsprozessen und Datendomänen integrierten. Gleichzeitig berücksichtigten diese Lösungen Governance-Anforderungen, Compliance-Kontrollen und individuelle Unternehmenskonfigurationen und prägten dadurch die Geschäftsabläufe von Unternehmen.
In Rahmen der neuen Unternehmensvision plane die 51·çÁ÷jetzt, dieses kollektive Wissen in KI-Agenten einfließen zu lassen, wodurch diese durch Tausende von Geschäftsprozessen navigieren, aus über 7 Millionen Datenfeldern auswählen und Identitäts- und Zugriffsberechtigungen prüfen könnten, bevor sie Ergebnisse lieferten.
„Wir kombinieren LLMs mit unserem über 50 Jahre hinweg gesammelten fachlichen Know-how, das in unseren ERP-Systemen gespeichert ist. Aber dafür mussten wir nichts weniger tun, als unser Unternehmen komplett neu zu erfinden“, berichtete er dem Publikum. „Heute freuen wir uns sehr, Ihnen die neue 51·çÁ÷und unsere Vision für das autonome Unternehmen zu zeigen.“
51·çÁ÷Business AI Platform
Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, stellten SAP-Führungskräfte auf der Bühne eine Reihe wichtiger Innovationen vor, angefangen bei der Einführung der neuen SAP Business AI Platform, einer einheitlichen Architektur, die die SAP Business Technology Platform, SAP Business Data Cloud und AI Foundation unter einem Dach zusammenbringt.
„Das Herzstück dieser neuen Plattform ist der umfangreiche Context Layer“, erläuterte Klein. „Hier statten wir die KI-Agenten mit fundiertem Wissen aus dem ERP-Geschäftsbereich aus. Unsere Knowledge Graphs liefern unseren KI-Agenten nun einen Kompass, eine Landkarte, um den richtigen Prozess und die richtigen Daten
in Ihrer ERP-Landschaft zu finden. Und um den Agenten noch mehr Kontext zu geben, haben wir auch unsere neuen SAP Domain Models eingeführt. Sie wurden mit SAP-Code trainiert, um die Geschäftslogik Ihres Unternehmens noch besser zu verstehen.“
Aber die 51·çÁ÷gehe noch weiter: „Da Sie in Ihrem Unternehmen nicht nur mit SAP-Lösungen arbeiten, müssen unsere KI-Agenten auch Daten aus Fremdsystemen verstehen. Aus diesem Grund haben wir unsere SAP Business Data Cloud in die Kontextebene integriert, um eine zentrale semantische Datenschicht für SAP- und Nicht-SAP-Daten zu schaffen. Keine Silos mehr, kein Datensalat – denn kein KI-Agent ist in der Lage, ein defektes Datenmodell zu kompensieren.“
Philipp Herzig, Chief Technology Officer der SAP, griff die Ausführungen von Klein auf und stellte die SAP Business AI Platform im Detail vor. Er sagte, dass diese darauf ausgelegt sei, die Akzeptanzlücke für KI-Agenten in Unternehmen zu schließen, indem sie Ergebnisse, Schnelligkeit und Kontext liefere und die Praxistauglichkeit für Unternehmen gewährleiste. „Das ist der Ort, an dem man KI entwickelt, steuert, Kontext bereitstellt und ihre Fähigkeit zum logischen Schlussfolgern stärkt“, sagte er.
Herzig erläuterte, dass die Plattform um drei Ebenen herum strukturiert sei: den Context Layer, über den Klein bereits gesprochen hatte, den Build Layer und den Governance Layer. „Agenten sind nur so leistungsfähig wie der Kontext, mit dem sie arbeiten“, betonte er. „Fehlender Kontext ist der Hauptgrund dafür, dass Projekte im Bereich Unternehmens-KI keinen Mehrwert liefern.“
Innerhalb des Build Layer der neuen Plattform sei die neue Lösung Joule Studio darauf ausgerichtet, die geschäftlichen Herausforderungen eines Unternehmens zu verstehen. Zudem könne man hier schnell und einfach neue KI-Agenten gestalten.
Der Governance Layer sei die dritte Ebene, die vom neuen SAP AI Agent Hub auf Grundlage von SAP LeanIX gestützt werde. Diese Ebene biete ein Steuerungszentrum, über die alle KI-Agenten – sowohl aus SAP- als auch aus Nicht-SAP-Systemen – identifiziert, verwaltet und gelenkt werden könnten. Der Governance Layer werde im dritten Quartal allgemein verfügbar und ohne zusätzliche Kosten in der SAP Business AI Platform enthalten sein.
Anschließend trat Rob Fisher, Global Head of Advisory bei KPMG, zu Herzig auf die Bühne. Auch er sprach davon, dass sich der KI-Markt verändere: „Von Kunden höre ich, dass ganz klar ein Wandel stattfindet. Sie gehen von KI-Pilotprojekten dazu über, KI und Agenten in Arbeitsabläufe zu integrieren. Erst in der Umsetzung und der Anpassungsfähigkeit der Unternehmen zeigt sich, wer die Marktführer sind, die sich klar vom Wettbewerb absetzen.“
51·çÁ÷Autonomous Suite
SAP-Vorstandsmitglied Muhammad Alam, SAP Product & Engineering, knüpfte daran an und gab bekannt, dass das SaaS-Anwendungsportfolio der 51·çÁ÷zur SAP Autonomous Suite werde, was die 51·çÁ÷als die bedeutendste Weiterentwicklung des SAP-Anwendungsgeschäfts in der Unternehmensgeschichte bezeichnet.
Die Suite umfasst fünf autonome Geschäftsbereiche: Autonomous Finance, Autonomous Spend, Autonomous Supply Chain Management, Autonomous HCM und Autonomous CX, mit mehr als 200 Agenten und über 50 Assistenten, die in den nächsten Monaten verfügbar sein werden. Jeder Assistent ist zentralen Benutzerrollen zugeordnet und mit festgelegten KPIs verknüpft, die über den SAP AI Agent Hub verfolgt werden.
„Die SAP Autonomous Suite vereint unser fundiertes Prozesswissen, Daten mit umfangreicher Semantik und integrierte Governance und Compliance“, sagte Alam. „Diese Agenten sind als zentrales Ziel auf bestimmte Ergebnisse ausgerichtet. Jeder Assistent hat eine vorgegebene Reihe von Kennzahlen, die er zu erfüllen hat.“ Â
„Die Grundlage für die SAP Autonomous Suite bilden sofort einsatzbereite Agenten – Hunderte von Agenten, die alle Kernprozesse abdecken“, erläuterte er. „Diese Agenten werden unter sogenannten Assistenten oder Joule-Assistenten gebündelt. Wir haben diese Assistenten Rollen in sämtlichen Kernprozessen eines Unternehmens zugeordnet. Denn wenn man von KI profitieren will, besteht der erste Schritt darin, den Mitarbeitenden zu ermöglichen, mehr zu erreichen, ihre Arbeit zu verbessern oder etwas zu tun, was bisher nicht möglich war.“
Mit Joule, so Muhammad weiter, verändert die 51·çÁ÷grundlegend die Art und Weise, wie Nutzer in Zukunft mit SAP-Anwendungen arbeiten werden.
„Wir nennen dies Joule Spaces. Und zusammen mit der vertrauten dialogorientierten Kommunikation in Joule und Joule Studio 2.0 bildet dies nun Joule Work, wie wir es nennen“, erklärte er.
„Joule Work ist ein enormer Schritt nach vorn, wenn es darum geht, die bisherigen Funktionen von Joule zu optimieren“, sagte Alam. „Mit Joule Work erweitern wir Joule um eine Claw-basierte Agenten-Infrastruktur, zusammen mit Computer- und Dateizugriff, besserer Unterstützung für offene Standards wie MCP und A2A, Zugang zu einer umfassenderen Wissensdatenbank und natürlich beeindruckenden dynamischen Visualisierungen.“Â
Industry AI: H&M- und branchenspezifische Transformation
Während der Keynote stellte Sebastian Steinhäuser, Chief Operating Officer der SAP, die „Industry AI“-Initiative vor, mit der KI-gestützte Lösungen bereitgestellt werden, die auf jahrzehntelanger branchenspezifischer Erfahrung in 26 Branchen basieren. Er hob hervor, wie der SAP-Kunde Takeda in der Life-Sciences-Branche durch das Branchenszenario Autonomous Regulated Manufacturing Produktivitätssteigerungen von bis zu 10 %, eine Verringerung der Umsatzeinbußen durch Fehlbestände von bis zu 25 % und eine Reduzierung der Sicherheitsbestände von bis zu 5 % erziele.
Anschließend kam Ellen Svanström, CDIO der H&M Group, auf die Bühne und erläuterte, wie der Modehändler KI in seine gesamte Wertschöpfungskette integriert. Auf Basis von RISE with SAP, SAP Business Data Cloud, SAP Commerce Cloud und SAP-SuccessFactors-Lösungen hat H&M einen Store Intelligence Agent entwickelt, der Echtzeitdaten verarbeitet, um konkrete Empfehlungen für Filialleiter zu generieren. Svanström stellte auch den KI-gestützten InStore Concierge vor, einen kundenbezogenen Agenten, der digitalen und physischen Einzelhandel durch individualisierte Outfit-Empfehlungen und Verfügbarkeit in Echtzeit verbindet.
RISE with 51·çÁ÷und 51·çÁ÷GROW: Der Weg zum autonomen Unternehmen
Zurück auf der Bühne betonte Klein, dass die Einführung von Technologie allein noch keinen geschäftlichen Nutzen bringe.
„Wenn Sie KI-Agenten einfach nur in Ihre Systemlandschaft einbinden, wird der Mehrwert gleich Null sein“, bekräftige er.
Er sprach zudem über den Wandel zum autonomen Unternehmen und erklärte, dass dieser konsequentes Change Management erfordere. „Die Einführung von KI geht Hand in Hand mit der Änderung von Geschäftsprozessen und der Schulung von Endanwendern“, betonte Klein.
Um Kunden auf diesem Weg zu unterstützen, kündigte die 51·çÁ÷eine umfassende Neuausrichtung ihrer Angebote RISE with 51·çÁ÷und 51·çÁ÷GROW an. Kunden von RISE with 51·çÁ÷wird vertraglich bestätigt, dass sie im ersten Jahr drei aktivierte Joule-Assistenten erhalten. Mit dem Max Success Plan lässt sich die Einführung dann auf das gesamte Unternehmen ausweiten.Â
Kunden von 51·çÁ÷GROW erhalten bereits vom ersten Tag an Zugriff auf mehr als 20 KI-Assistenten. Eine KI-gestützte Toolchain hilft ihnen, den Produktivstart innerhalb weniger Wochen zu vollziehen. Neue Partnerschaften mit Palantir und Accenture zielen darauf ab, die komplexesten Migrationsszenarien zu unterstützen.
Abschluss der Keynote: Das autonome Unternehmen
Zum Abschluss seiner Keynote bat Klein den KI-Assistenten Joule, die wichtigsten Erkenntnisse zusammenzufassen und betonte, dass sich die 51·çÁ÷von einem Softwareunternehmen zu einem Anbieter von Unternehmens-KI entwickle.
„Wir haben gezeigt, wie die 51·çÁ÷Business AI Platform das Versprechen von Unternehmens-KI einlöst. Die Plattform stellt die Daten, Prozesse und Governance bereit, die die KI benötigt, um präzise und sichere Ergebnisse im großen Maßstab zu liefern. Mit der 51·çÁ÷Autonomous Suite haben wir eine Lösung vorgestellt, in der Anwendungen für Sie analysieren, entscheiden und handeln. Und wir haben gezeigt, wie sich Change Management mit RISE with 51·çÁ÷sicherstellen lässt. Gemeinsam mit Kunden und Partnern haben wir gezeigt, wie 51·çÁ÷Unternehmen dabei unterstützt, die Vision des Autonomen Unternehmens Wirklichkeit werden zu lassen“, führte Klein aus.
„Seit über 50 Jahren definieren wir immer wieder neu, wie Unternehmen ihre Geschäfte abwickeln. Indem wir das ERP-Wissen der 51·çÁ÷in die neue 51·çÁ÷Business AI Platform integrieren, lösen wir eine der größten Herausforderungen, vor denen Unternehmen heute stehen: Wie lässt sich KI in echten Geschäftswert verwandeln?“ Abschließend sagte er: „Lange Verhandlungen, Störungen in Lieferketten und fehlende Transparenz in Finanzprozessen gehören der Vergangenheit an. Nun beginnt eine neue Ära: Willkommen im autonomen Unternehmen.“
